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Medizin und Philosophie im Dialog

Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne

Ein Aspekt des vieldiskutierten demographischen Wandels und der kontinuierlich ansteigenden Lebenserwartung betrifft nicht nur die Frage nach dem guten Leben im Alter, sondern auch die Frage nach dem guten Abschied, dem würdigen Sterben. Zunehmend rücken daher Debatten um Palliativmedizin und Sterbehilfe in den Vordergrund gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Wie wollen wir leben, wie wollen wir sterben? Und wie wird die Aktualisierung dieser Fragen auch kulturell begleitet und legitimiert? Als der britische Opern- und Theaterregisseur Graham Vick seine Inszenierung von Wagners „Tristan und Isolde" am 13. März 2011 dem Publikum der Deutschen Oper Berlin vorstellte, erntete er heftige Proteststürme. Er war nämlich auf die Idee gekommen, vor dem dritten Akt mehrere Jahrzehnte verstreichen und die Liebenden als alte Menschen die Bühne wieder betreten zu lassen. Doch bereits ein Jahr danach gewann Michael Hanekes Film „Liebe" nicht nur die Goldene Palme in Cannes, sondern 2013 auch einen Oscar und einen Golden Globe. Erleben wir gegenwärtig einen Gestaltwandel des Liebestods? Wird der freiwillige Tod allmählich aus der Schattenzone der Pathologie gerückt?

Einführung zur Vortragsreihe und Moderation
Dr. Günther Holzinger, MAS
Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapeut, Philosoph, philopraxis-holzinger.com

Referent    
Univ.-Prof. Dr. Thomas Macho
Professor für Kulturgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien