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Medizin und Philosophie im Dialog

Die große Vernunft des Leibes. Oder vom Streben der Körper, sich im Sein zu erhalten.

In seiner Ethik bestimmt Spinoza die Essenz eines Körpers als das ihm immanente Streben, sich inmitten der Welt, in der er sich befindet, am Sein zu erhalten. Dieses Streben nach Selbst-erhaltung kann jedoch nicht unabhängig von den Verhältnissen verstanden werden, in denen Körper zur Außenwelt stehen. Im Unterschied zu vielen neoliberalen Deutungen des Selbsterhaltungstriebes (conatus) geht es einem Organismus folglich nicht nur um die individuelle Selbstbehauptung seines Körpers in der Welt, sondern um die Erhaltung seines eigenen In-der-Welt-seins, in das er kraft seiner Geburt eingebettet ist: sozial, ökologisch, kosmisch, ontologisch.

Sorgt sich ein Körper um ‚sich-selbst‘, dann sorgt er sich um sein In-der-Welt-sein inmitten anderer, die ihm sein Überleben mitermöglichen. Die Sorge um das Milieu, in dem sich ein Körper befindet, ist nicht weniger Teil seiner Selbstsorge, als die Sorge um sein organisches Überleben. Körper enden daher niemals an ihrer Oberfläche, sie sind vielmehr weltweit, porös. Sie erhalten sich nur im Austausch und in Wechselwirkung mit ihren Milieus, mit denen sie ständig interagieren.

Es sind folgende Fragen, die uns an diesem Abend beschäftigen werden:
• Wie lässt sich der Strebenscharakter von Körpern philosophisch verstehen: Das Verhältnis von Trieb (appetitus), Begierde (cupiditas), Wille (voluntas)?
• Welches ‚Selbst‘ meint man, wenn von einem ‚Selbst-Erhaltungstrieb‘ gesprochen wird?
• Was gewinnt man, wenn man Körper als Gefüge denkt?
• Was heißt es schließlich, dass Körper Teil eines Weltgefüges sind, das sie am eigenen Leib empfinden?
• Welchen Körper behandelt die Medizin heute?
• Welches Bild von Körperlichkeit dominiert sie?

Zielgruppe:
Alle am Thema Interessierten

Methode:
Vortrag und Diskussion

Einführung zur Vortragsreihe und Moderation:
Dr. Günther Holzinger, MAS
Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapeut, Philosoph, philopraxis-holzinger.com

Referent: 
Univ.-Doz. Dr. Arno Böhler
Institut für Philosophie der Universität Wien und Universität für angewandte Kunst Wien, Arts-based-Philosophy, Interkulturelle Philosophie

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